Frühe Praxiskontakte sind das A und O

5. Infomesse SPORT in Mainz: Zugang zum Traumberuf erfolgt häufig über Netzwerke


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Die Resonanz ließ nicht zu wünschen übrig: Knapp 600 Besucher waren bei der fünften Auflage der „Infomesse SPORT“ des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (LSB) in den Räumlichkeiten der SCHOTT AG mit von der Partie, bei der eine Expertenriege jungen Leuten und deren Eltern die Zugangswege für Sportberufe aufzeigte und mit wertvollen Tipps und Hinweisen nicht geizte.

Das Sportbusiness übt nicht erst seit gestern eine große Anziehungskraft auf viele Jugendliche auf. Allein: Der Traum, einmal als umjubelter Profisportler sein Geld zu verdienen, wird für die wenigsten wahr. Und die bestens dotierten Managerposten in den Profi-Ligen sind ebenfalls dünn gesät. Aber für sportbegeisterte junge Leute gibt es diverse andere Möglichkeiten, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Wie das funktionieren kann, das erfuhren die Messebesucher in Workshops, Vorträgen sowie im persönlichen Gespräch an den 20 Infoständen.


„Ich bin ganz begeistert, auf welches Interesse der Sport und die Sportberufe stoßen“, sagte Prof. Dr. Lutz Thieme von der Fachhochschule Remagen, der am RheinAhrCampus in Kooperation mit dem LSB den Studiengang Sportmanagement leitet. Seine Botschaft: „Es gibt viele Wege, um im Sport beruflich Fuß zu fassen.“ Sein täglich Brot kann man unter anderem im Sportvereinen verdienen, bei Landessportbünden oder Stadtsportbünden und auch bei Fachverbänden des Sports. „Auf der einen Seite haben wir den Bereich des Sportmanagements, auf der anderen Seite den der Sportbetreuung“, machte Thieme deutlich. „Ein Bereich, der an Bedeutung gewinnt, ist der des Sportmarketings.“ Als Beispiel nannte der Insider Agenturen, die mit Sportrechten handeln, etwa Sportfive. Als Betätigungsfelder böten sich aber auch Sportartikelhersteller, Sportmedien oder das weite Feld des Eventmanagements an. „Ein weiterer Bereich im Sportmanagement ist die öffentliche Verwaltung“, so Thieme. „Sportämter, Kommunen, öffentliche Sporteinrichtungen oder Sportförderung.“ Nicht zuletzt könne man auf dem Sektor der betrieblichen Gesundheitsförderung, in Fitnessstudios oder Kureinrichtungen hauptberuflich einsteigen. Herauszufinden, was für jeden einzelnen der beste Weg sei, sei indes kein Kinderspiel.

Wie Thieme skizzierte, gibt es vier Wege in den Bereich des Sportmanagements – über eine klassische Berufsausbildung, private Bildungsinstitute, Universität und Fachhochschule sowie den ehrenamtlichen Bereich. „Das ehrenamtliche Engagement in den Sportvereinen ist auch eine Möglichkeit, für seinen Broterwerb viele Kompetenzen zu erwerben.“ Details erfuhren die Besucher in drei Workshops. Wie sich die beiden Ausbildungsberufe Sport- und Fitnesskauffrau/-mann und Sportfachfrau/-mann unterscheiden, teilten den Besuchern Studiendirektorin Sonja Braun-Even von der Berufsbildenden Schule III (BBS) und Thomas Reitz, Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen (IHK), mit.

Zentrales Unterscheidungsmerkmal: Der Beruf des Sport- und Fitnesskaufmanns gibt es bereits seit 2001. Er hat einen höheren kaufmännischen Anteil, während der des Sportfachmanns stärker anwendungsorientiert ist. „Zwei Drittel der Ausbildung sind etwa gleich, beim Sportfachmann – Ausbildungsberuf seit 2007 - ist das dritte Jahr mehr sportpraktisch – da geht es auch um Wettkampfdurchführung und Trainingsplanung“, erläuterte Reitz. Wer einen Ausbildungsplatz sucht, dem empfiehlt Reitz die Lehrstellenbörse der IHK und der Mainzer Arbeitsagentur im Internet. „Vor allem ist es ratsam, durch ein Praktikum den Beruf kennenzulernen“, betonte der 54 Jahre alte IHK-Experte. „Dafür haben wir eine Praktikumsbörse eingerichtet.“ Die BBS III besuchen laut Braun-Even 75 angehende Sport- und Fitnesskaufleute. „Einen Azubi zum Sportfachmann haben wir momentan nicht an unserer Schule.“ Reitz wies darauf hin, dass nicht nur der LSB selbst zum Sport- und Fitnesskaufmann ausbildet, sondern auch Sport- und Fitnessstudios, Golfclubs oder auch der TSV SCHOTT.

Wenn man eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Tasche hat, ist der Übergang in ein Studium in Rheinland-Pfalz laut Prof. Thieme problemlos machbar. „Die Hochschulzugangsberechtigung ist jetzt auch möglich in Form einer Berufsausbildung plus einer zweijährigen Tätigkeit im Beruf. Dann braucht man also das Abitur nicht mehr.“ Die Bereiche Hochschule und Berufsausbildung verzahnten sich immer mehr miteinander.

Im Workshop über Freiwilligendienste im Sport erklärten Katja Gerlach (LSB-Sportjugend) und Max Schäfer als ehemaliger FSJler, dass es drei verschiedene Freiwilligendienste gibt. Zum einen das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) in Vereinen und Verbänden, das FSJ im Ganztag sowie ab 1. August den Bundesfreiwilligendienst (BFD). „Das FSJ kann man mit einem Alter zwischen 16 und 27 Jahren absolvieren“, so Gerlach. „Beim BFD kann ab einem Alter von 16 Jahren anfangen, aber die Altersgrenze ist nach oben hin offen - dass heißt, es können auch Erwachsene machen.“ Momentan sei noch immer das FSJ in Vereinen und Verbänden am stärksten nachgefragt.

Was allen Sportberufen gemein ist: Sehr häufig erfolgt der Zugang zum Traumberuf über Netzwerke - nicht über Stellenanzeigen. Wer einen Bürojob mit Arbeitszeiten zwischen 9 und 17 Uhr sucht, wird eher nicht glücklich werden. Stattdessen ist permanent ein hohes Maß an Eigeninitiative vonnöten. „Voraussetzung ist, dass man sehr früh Praxiskontakte sammelt - und auch hält - um sein Engagement zu demonstrieren“, resümierte Thieme, der gemeinsam mit Stefan Wild von der Sportakademie Trier, Carolin Dinter von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie Dr. Arne Güllich von der Technischen Universität Kaiserslautern den Workshop über Studienmöglichkeiten im Sport leitete. „Man ist in seiner Disziplin nur dann erfolgreich, wenn man brennt.“

Das weiß auch Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, Vorstandsvorsitzender der SCHOTT AG, Vorsitzender des TSV SCHOTT Mainz und Schirmherr der Veranstaltung. „Der Technologiekonzern SCHOTT und Sport – das passt sehr gut zusammen“, sagte Ungeheuer. „Das Unternehmen SCHOTT unterstützt das Sportgeschehen beim TSV SCHOTT – dem größten Breitensportverein in Mainz und einem der mitgliederstärksten in Rheinland-Pfalz - intensiv personell, organisatorisch und finanziell. Wir beschäftigen hier drei hauptamtliche Mitarbeiter unter der Leitung von Vereinsmanager Till Pleuger und haben gerade in letzter Zeit vier Ausbildungsplätze im sportnahen Bereich geschaffen – zusätzlich beschäftigen wir auch noch zwei junge Leute, die ein FSJ im Sport absolvieren.“ Daher könne der TSV SCHOTT „durchaus als Beispiel für das Berufsfeld Sport dienen“.

Laut LSB-Präsidentin Karin Augustin ist es „sinnvoll, in einer eigenen Messe über das breite Feld der Berufsmöglichkeiten im Sport zu informieren“. Schließlich gebe es in der „Wachstumsbranche Sport und Gesundheit“ mittlerweile mehr Ausbildungsstellen als im Bankengewerbe. Bildungsstaatssekretär Michael Ebling sagte, „junge Menschen mit Grütze im Hirn“ seien mehr denn je gefragt. „In manchen Berufsfeldern suchen die Kammern und die Betriebe sie mit dem Lasso“, weiß Ebling. In den Sportberufen habe man eine gute Chance – vorausgesetzt, sie man erhalte eine gute Orientierung. Genau dies war Sinn und Zweck der Infomesse SPORT, die im kommenden Jahr – voraussichtlich im Frühjahr 2013 in Koblenz- eine Neuauflage erfahren wird.

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.