Zwei Zebras beim Rhönradturnen

5. LSB-Fotowettbewerb: Preisverleihung in Mainz


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Die Entscheidung fiel der Jury alles andere als leicht: Aus 60 hervorragenden Einsendungen musste das sechsköpfige Gremium unter Vorsitz von Walter Desch, Präsidiumsmitglied des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (LSB) und Vorsitzender des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit, bei der fünften Auflage des LSB-Fotowettbewerb die Besten der Besten auswählen. Bei der Preisverleihung in den Räumen der Lotto Mainz GmbH machten Peter Seydel aus Mayen bei den Profis und Volkhard Gabriel aus Zweibrücken bei den Amateuren das Rennen – der Sonderpreis zum Thema „Integration“ ging an Julia Rau aus Mainz.

Man konnte die Spannung förmlich knistern können, als Jury-Mitglied Bernd Eßling, Fotochef der Mainzer Rhein-Zeitung, den ersten Platz in der Kategorie der Profis verkündete. Seydel hatte einen Fußballer abgelichtet, der vollkommen in seinem Element war. „Ein absolut gelungener Moment“, schwärmte Eßling. „Der Fußballer ist völlig in sich versunken, nur auf den Ball konzentriert. Neben dem könnte passieren was wolle – er würde es gar nicht mitkriegen.“ Eßling verriet, für ihn sei Seydels Schnappschuss von der ersten Sekunde an ein Hingucker gewesen. „Das Bild lag unter vielen Bildern auf dem Tisch – und ich bin direkt drauf zugegangen.“ Seydel erläuterte, auf dem Bild sei Gilbert Gorges von seinem Heimatverein TuS Mayen, der in der Rheinlandliga spiele, zu sehen. „Dort bin ich auch im Vorstand tätig.“ Den meisten Spaß bereite ihm allerdings die Arbeit bei der Lotto-Elf. „Da bin ich Hausfotograf und bei jedem Spiel mit dabei“, so Seydel. „Die Lotto-Elf hat in zehn Jahren über eine Million Euro eingespielt für den guten Zweck. Daher möchte ich mein Preisgeld für ´Kinder in Not´, der neuen Spendenaktion der Lotto-Stiftung, stiften. Stolz war Seydel übrigens auch, dass er beim LSB-Fotowettbewerb vor dem renommierten Meisterfotografen Bernhard Kunz gelandet war. Der 64-Jährige sei „ein Vorbild von mir, ich habe viele Bücher von ihm zu Hause. Er ist einer, der einem immer wieder Kraft gibt, weiter zu machen“.

Der mit mannigfaltigen Auszeichnungen dekorierte Kunz erreichte mit einem Unterwasserfoto eines Athleten in einem 50-Meter-Becken beim Triathlon in Neustadt-Mußbach den dritten Platz. „Bei der Unterwasserfotografie gehen Licht und Farben sehr schnell verloren“, sagte der Foto-Profi aus Mutterstadt, der im Sommer seine 14. Olympischen Spiele fotografiert. „Hier war der Vorteil, dass das Becken sehr hell ist und eine Reflexion von unten kommt.“ Dass Unterwasserbilder bei Olympia nicht drin sind, weiß Kunz wohl. „Aber ich bin bestrebt, sehr gute Bilder vom Beckenrand zu machen.“ Den zweiten Rang sicherte sich mit Julia Rau eine Dame, die sich 1998 aus purer Leidenschaft dafür entschied, professionelle Fotografin zu werden – und seitdem ebenfalls diverse Preise gewonnen hat. Besonders gut und gerne fotografiert die Hechtsheimerin Pferde und Sportarten. Prämiert wurde Rau für eine Momentaufnahme vom Play-off-Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft im Ringen zwischen dem ASV Mainz 88 und dem KSV Aalen. Ein blauer Muskelmann wird dort in einer Kampfpause mit erfrischendem Wasserdampf besprüht. „Das Bild hat durch die Beleuchtung fast etwas Sakrales – es hat uns einfach fasziniert“, so Melanie Bauer aus der Jury.

Julia Rau durfte sich zudem über dem Sonderpreis „Integration“ freuen, den sie aus den Händen von Staatssekretärin Margit Gottstein vom Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen entgegennahm. Rau verriet, dass das Bild entstand, als sie für die Mainzer Rhein-Zeitung unterwegs gewesen sei. „Ich habe im Sportzentrum Mainz-Laubenheim Sportakrobatik fotografiert, da sind mir diese drei jungen Damen aufgefallen, die ganz engagiert das Geschehen begleiten.“ Die Mädels unterscheiden sich nicht nur in Gestik und Mimik, sondern auch in der Hautfarbe. Auch LSB-Präsidentin Karin Augustin war voll des Lobes und sprach von einem „wirklich ganz eindrucksvollen Bild“, das ab sofort in den Räumlichkeiten des Integrationsministeriums zu bewundern sein wird.

Bei den „Amateuren“ machte Volkhard Gabriel aus Zweibrücken mit einem famosen Foto vom Internationalen Grasbahnrennen in Zweibrücken das Rennen, bei dem alle Details stimmen. Gabriel, seit 16 Jahren Pressewart der Vereinigten Turnerschaft Niederauerbach, entdeckte mit 20 Jahren sein Faible für die Fotografie und greift seit nunmehr drei Jahrzehnten regelmäßig zur Kamera. Rang zwei ging an den Lahnsteiner Mike Killadt. Bei den Deutschen Meisterschaften im Sportkegeln auf Scherenbahnen 2011 in Kassel fotografierte er die spätere vierfache Weltmeisterin und vierfache Weltrekordhalterin Bettina Woltersdorf in Action. „Als ich dieses Bild zum ersten Mal gesehen habe, habe ich gedacht: ´Guck´ mal da, Steffi Graf kegelt hier´“, sagte Juror Roland Hessel, Sportchef der Allgemeinen Zeitung Mainz. „Das Foto ist wirklich sehr gelungen und man sieht daran, dass es sich bei Kegeln wirklich um Sport handelt.“ Killadt ist seit 30 Jahren selbst Sportkegler und spielt auch in der Ersten Bundesliga. Zwei Zebras beim Rhönradturnen lichtete Jürgen Jachtenfuchs aus Nievern ab – so scheint es jedenfalls auf den allerersten Blick. Bei näherem Hingucken erkennt man, dass es sich um zwei Sportler in hautengen, schwarz-weißen Ganzkörperanzügen handelt, die in einem so genannten Cyrs turnen, die Rhönrädern ähneln. Juror Eßling war „ganz begeistert von der gezielten Bewegungsunschärfe, von der Farbigkeit und dem Kontrast“.

Mit seinem Fotowettbewerb wollte der LSB Fotografen – ob Profi oder Amateur - dazu animieren, sportliche Bewegung, Freude, Geselligkeit im Bild festzuhalten. In der Profi-Kategorie konnten sich alle Fotografen bewerben, die Mitglied im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) sind. Alle übrigen Teilnehmer wurden der Kategorie Amateure zugeordnet. Eingesendet werden durften maximal drei Fotos. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 1.350 Euro vergeben. Amateur- wie Profifotografen erhielten für das Siegerbild jeweils 300 Euro, der zweite Preis war mit 200 Euro und der dritte Preis mit 100 Euro dotiert. Dazu gab es 150 Euro für den Sonderpreis „Integration“ – gespendet vom Ministerium.

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.