„Frauen verkaufen sich sehr oft unter Wert“

7. LSB-Frauenvollversammlung in Annweiler mit dem Leitthema „Frauen nach vorne“

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Wenn der Sport „Frauen nach vorne“ bringt, dann kann er ein wichtiges Signal in die Gesellschaft hinein geben und seine gesellschaftliche Vorbildfunktion auch im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit nutzen. „Dann tut der Sport der Gesellschaft nicht nur ´körperlich´, sondern auch ´politisch´ gut“, betonte Irene Alt, rheinland-pfälzische Ministerin für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen, in ihrem Impulsreferat bei der 7. Frauenvollversammlung des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (LSB) in Annweiler am Trifels.

In den Augen der Ministerin ist der LSB bereits wichtige Schritte für mehr Geschlechtergerechtigkeit gegangen. „Ich denke da an die Verpflichtung und Verankerung von Gender Mainstreaming in seiner Satzung – als erster Landessportbund bundesweit“, sagte Irene Alt vor den knapp 40 ehrenamtlichen Frauenvertreterinnen aus dem rheinland-pfälzischen Sport, die ins Turnerheim des Pfälzer Turnerbundes gekommen waren, das 2011 für fast fünf Millionen Euro renoviert worden war. Auch die Initiative zur „Qualifizierung von Spitzensportlerinnen für Gremienarbeit im Sport“ sowie vom Sportbund Rheinland das „Qualifizierungsprogramm „Doppel-Pass“ und der Wettbewerb „Frauen nach vorne“ seien „alles sehr gute Ansätze“. Frauen benötigten eine spezielle Förderung, um sich in den Vereinen und im Verband als Funktionärinnen zu engagieren. Sie benötigten strukturelle Fördermaßnahmen wie Gleichstellungspläne und Frauenausschüsse, dazu Vorbilder und Mentoringprogramme, bei denen ehrenamtlich aktive Frauen andere interessierte Frauen unterstützen und begleiten, so die Ministerin.

Ganz wichtig laut Irene Alt: Frauen vor Wahlen gezielt anzusprechen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, viele Frauen brauchen oft eine Ermutigung, sich bestimmte Positionen zuzutrauen“, so die Politikerin. „Männer rufen da schon eher ´Hier bin ich!´ wenn Posten zu besetzen sind.“ Der Appell von Irene Alt: „Trauen Sie sich und unterstützen Sie auch andere Frauen. Nutzen Sie die Möglichkeit, die Zukunft des LSB mitzugestalten und frische Ideen einzubringen nach dem Motto: Frauen bringen den LSB voran.“ Die Beteiligung von Frauen sei „wichtig – auch beim LSB, denn sie sorgen dafür, dass bisherige Entscheidungen vielleicht einmal auf den Prüfstand kommen oder zumindest mit Argumenten neu begründet werden müssen“.

Das betonten auch LSB-Präsidentin Karin Augustin – von 1990 bis 1998 Vorsitzende des Ausschusses „Frauen im Sport“ im Sportbund Rheinhessen - und Claudia Altwasser, LSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung. „Es ist oft schwierig, politisch zu überzeugen, wie wichtig es ist, Frauen in die Führungspositionen zu bringen, wo Frauen nach wie vor unterrepräsentiert sind“, sagte Augustin. „Aber wir können mit viel Selbstbewusstsein sagen, dass wir in Rheinland-Pfalz sehr vieles bewegt haben.“ Nachgewiesenermaßen sei es so, „dass Frauen – wenn sie sich engagieren – sich qualitativ sehr hochwertig engagieren“. Laut Altwasser ist es jedoch „bedauerlich, dass Frauen sich oft im Weg stehen. Man soll sich nicht vermännlichen – weil die weiblichen Strategien sehr hilfreich sein können – aber man muss wissen, wo es lang geht“, so die Unternehmerin. „Frauen verkaufen sich sehr oft unter Wert.“

Kloty Schmöller, Mitglied des Präsidiums des Bayerischen Landessportverbandes, wies darauf hin, dass 40 Prozent der Mitglieder in den deutschen Sportvereinen Mädchen und Frauen sind. „Diese Zahl steigt, steigt und steigt“, sagte die Ingolstädterin. „Die Herren denken oft gar nicht daran, dass in den Führungspositionen eine Frau dabei sein möchte“ – wobei dies gar nicht unbedingt beabsichtigt sei. Der Trend der steigenden Mitgliederzahlen der Frauen im organisierten Sport müsse sich „endlich in den Führungspositionen wiederspiegeln“.

Unisono forderte das Plenum mehr Mut und Entschlossenheit von Frauen ein. „Sie müssen die Kompetenzen, die sie besitzen, besser vermarkten“, brachte es Claudia Altwasser auf den Punkt. „Wenn man kein Selbstbewusstsein hat, wird man mehr als Opfer angesehen“, schärfte auch Sandra Werling vom rheinland-pfälzischen Karateverband den Teilnehmerinnen bei einem praktischen Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungsteil ein. „Deswegen ist es ganz wichtig, sich selbst zu beweisen.“


Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.