„Keinerlei Zielkonflikte zwischen Sport und Politik“

Parlamentarischer Abend liefert eine Positionsbestimmung des Sports in Rheinland-Pfalz

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Das gute Einvernehmen zwischen Sport und Politik in Rheinland-Pfalz stellte Ministerpräsident Kurt Beck beim Parlamentarischen Abend des Landessportbundes (LSB) heraus, zu dem rund 150 Repräsentanten aus Sport und Politik in den Wappensaal des Landtags gekommen waren.

„Wir haben keinerlei Zielkonflikte in den Überlegungen, die Sie angestellt haben und denen, die unserer Arbeit zugrunde liegen“, machte Beck deutlich, nachdem LSB-Präsidentin Karin Augustin eine Positionsbestimmung des Sports in Rheinland-Pfalz mit seinen Aufgaben, Chancen und Zielen vorgenommen hatte.

„Wir brauchen auch in Zukunft einen Sport in unseren Vereinen mit viel Individualität, der kollektive Anstrengungen fördert und magische Momente hervorbringt“, sagte Augustin. „Einen Sport, der grenzen- und zugleich klassenlos ist für alle Altersgruppen, Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderungen.“ Die LSB-Präsidentin betonte, dass sportliche Großereignisse wie die vor der Tür stehende Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele oder die Paralympics wieder zeigen würden, „wie sehr der Sport die Menschen emotional erfasst und welche soziale Kraft er entfaltet“. In einer auseinanderdriftenden Gesellschaft sei der Sport nicht selten „der einzige verbindende Gesprächsgegenstand“. Augustin wörtlich: „Die Versuche, politische Probleme mit Sport zu lösen, sind in der Vergangenheit kläglich gescheitert - Leidtragende waren immer unsere Sportler. Deshalb appellieren wir an die politisch Verantwortlichen, den Sport bei der Ausrichtung der Fußball-Europameisterschaft nicht zu überfrachten.“ Ministerpräsident Beck meinte mit Blick auf die Debatte, ob Politiker wegen des Leids der ukrainischen Oppositionspolitikerin Timoschenko den EM-Partien in der Ukraine fernbleiben sollen: „Wir dürfen es auch nicht überziehen. Ich glaube, dass eine Boykottaufforderung falsch ist, dass es aber uns allen sehr gut ansteht, wenn wir in angemessener Weise klar Position beziehen. Das gilt für die Politik, zuvorderst aber auch für den Sport.“

Wie die LSB-Präsidentin den Zuhörern in Erinnerung rief, werden die Grundlagen für die herausragenden Leistungen bei Welt- und Europameisterschaften oder auch Olympischen Spielen in den Vereinen und Verbänden gelegt. „Von unseren 6.300 Vereinen bieten 4.700 Sport für Kleinkinder oder Kinder im Vorschulalter an, 6.000 Vereine haben Sportangebote für Senioren über 60 Jahre im ihrem Programm“, so Augustin. „Sport stärkt und integriert, er vermittelt Glück, Hoffnung und Zufriedenheit -in jedem Alter kann der Sport dem Leben einen Sinn geben.“ Nicht zuletzt strukturiere der Sport Arbeitszeit und Freizeit und vermittele ein Stück Heimat und leiste „auf allen Ebenen einen erheblichen Beitrag zum Gemeinwohl“.

Wie Augustin betonte, verschließe der Sport nicht die Augen vor Gefährdungen junger Menschen. Extremismus, Ausgrenzung und Diskriminierung hätten hier keinen Platz. Doping und Rechtsextremismus wie auch sexualisierter Gewalt habe man ganz entschieden den Kampf angesagt. „Der Sport in Rheinland-Pfalz hat sich in den vergangenen beiden Jahren ausführlich mit dem Thema der sexualisierten Gewalt auseinander gesetzt und zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Stolz sein könne man „auf die hohe Qualifikation unserer Mitarbeiter im Ehrenamt wie im Hauptamt, die Fortbildungsveranstaltungen für unsere Übungsleiter werden immer hochkarätiger“. Aber auch auf das anerkannte kognitive und soziale Bildungspotenzial des Sports wie auch auf die Notwendigkeit der Sanierung in die Jahre gekommener Sportanlagen ging Augustin ein.

„Es ist wahr, dass wir unsere Sorgen haben mit der Erhaltung und Erneuerung von Sportstätten“, sagte Ministerpräsident Beck. „Weil vieles von dem, was in den 60er und 70er Jahren gebaut worden ist und uns damals angepriesen wurde als ohne Verfallsdatum – ´weil Beton ja überhaupt nicht kaputt gehen würde´. Das Leben zeigt einen anderen Weg.“ Tatsächlich müsse vieles investiert werden in die Erneuerung von Sportstätten. Auch in Zukunft wolle man „diese Anstrengungen unterstützen für den Breitensport und den Spitzensport gleichermaßen“.

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.