„Diese Partnerschaft ist lebendig und strahlt aus“

LSB und Amicale Bourguignonne des Sports feiern das 50-jährige Jubiläum der Sportpartnerschaft Rheinland-Pfalz - Burgund
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„Burgund im Saal und ´uff de Gass´“ hieß es am Wochenende in der Mainzer Innenstadt, wo der Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) und die Amicale Bourguignonne des Sports (ABS) das 50-jährige Jubiläum ihrer Sportpartnerschaft mit einem bunten und abwechslungsreichen Programm feierten.

„Der Sport ist der Ausgangspunkt, um Menschen unterschiedlicher Kulturen und Herkunft so eindrucksvoll zusammenzuführen“, sagte LSB-Präsidentin Karin Augustin vor mehr als hundert internationalen Zuhörern beim offiziellen Festakt im Wappensaal des Landtags. „Wir sind vor allem ganz stolz darauf, dass so viele Männer der ersten Stunde bei uns sind.“ Seit den Anfängen anno 1962 hätten 10.000 Begegnungen stattgefunden, die 450.000 junge Menschen zusammengeführt hätten, so Augustin. Stolz sei man auch, „dass wir in dieser Partnerschaft europäisch denken“ und dass man es schaffe, „diesen Kontakten einfach neue, junge frische Impulse zu geben“. Die LSB-Präsidentin wörtlich: „Diese Partnerschaft ist lebendig, strahlt aus und entwickelt immer wieder neue Aspekte.“

Laut Sportstaatssekretär Jürgen Häfner gibt es keinen Bereich, in dem die Integration von Migranten so gut gelungen ist. „In Sportvereinen spielt die Herkunft überhaupt keine Rolle“, freute sich Häfner. Die Landesregierung unterstütze „diese wunderbare Partnerschaft nach besten Kräften“. ABS-Präsident Robert Lacroix sagte, wenn man heute diese Partnerschaft feiere, bedeute dies auch eine Verantwortung. „Denn es obliegt uns, nicht nur die Entwicklung der Sportbeziehungen zwischen den Partnerregionen fortzuführen, sondern auch die Zukunft vorzubereiten und die Partnerschaft zu erweitern auf Regionen wie zum Beispiel Valencia in Spanien, Komárom-Esztergom in Ungarn oder Oppeln in Polen.“

Festredner Dr. Heiner Geißler, einst Sportminister in Rheinland-Pfalz, erläuterte, dass es nach „50 ans de jumelage sportif“ sicher nicht mehr um die Frage der Aussöhnung oder der Vergangenheitsbewältigung gehe. „Die Freundschaft und die Zusammenarbeit ist Normalität und nichts kann – so scheint es – dieses sportliche Bündnis mehr erschüttern“, so der Ehrenvorsitzende des südpfälzischen Gleitschirmfliegerverbandes. „Hoffentlich täuschen wir uns nicht, wenn man sich die heutige Situation in Europa ansieht.“ Geißlers Appell an die französischen, ungarischen und deutschen Funktionäre im Publikum: „Intervenieren Sie bei Ihren Nationalen Verbänden, Druck zu machen beim IOC, dass es seine eigene Charta achtet.“ Gerade auch mit Blick auf die Rolle der Frauen in Vereinen und Politik müsse man sich ein solches Ziel zu eigen machen: „Und Sie werden sehen - es hat eine unglaubliche Wirkung.“

Im Rahmen des Festaktes unterzeichneten Augustin und Lacroix eine Zukunftsvereinbarung mit dem Ziel, den Sportaustausch zwischen beiden Regionen im Bereich aller Altersstufen fortzusetzen, zu fördern und zu intensivieren. Den schon bestehenden Vereins- und Verbandspartnerschaften soll eine neue Dynamik verliehen werden, neue Partnerschaften sollen gefördert werden. Unter anderem sind interkulturelle Ausbildungsseminare für „Zukünftige Vereinsmanager“ beabsichtigt und die Einbindung weiterer europäischer und tunesischer Partner in gemeinsame Partnerschaftsaktivitäten geplant.

Wie kann diese sehr lebendige Partnerschaft, diese Freundschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Burgund auch in Zukunft noch attraktiv sein? Wie begeistert man auch in Zukunft junge Menschen für den Sport? Bei einer Podiumsdiskussion im Plenarsaal des Landtags, die den Auftakt der Feierlichkeiten bildete, drehte es sich um die Perspektiven der deutsch-französischen Sportbeziehungen mit Vertretern aus Politik, Stadtverbänden und -vereinen sowie Persönlichkeiten aus dem Sport. „Man muss versuchen, bei diesen Sportbegegnungen die neuen Medien mit reinzubringen und so diese Begeisterung wieder hervorzurufen“, urteilte Melanie Wicke, Staatsexamensanwärterin für Sport und Französisch, die ihre Examensarbeit über „50 Jahre Sportpartnerschaft Rheinland-Pfalz/Burgund“ verfasst hat. Laut Béatrice Angrand, Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks, lassen sich mit Hilfe der neuen Medien viele Veranstaltungen besser organisieren. In den Augen des Mainzer Sporthistorikers Prof. Dr. Norbert Müller, Ritter der französischen Ehrenlegion, kommt den „Kurztreffen gerade in grenznahen Raum“ eine große Bedeutung zu.

„Die große Aufgabe für die Zukunft ist es, junge Menschen zu bilden, damit sie Verantwortung übernehmen in den Vereinen, in den Unternehmen“, sagte ABS-Präsident Lacroix. „Dafür setzen wir uns seit einigen Jahren schon ein, mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk zusammen.“ An der hochkarätig besetzten Diskussion nahmen auch der zweifache Tour de France-Sieger Bernard Thévenet, der extra aus Grenoble angereist war, sowie der ehemalige Profi-Radrennfahrer und Etappensieger der Tour de France, Klaus-Peter Thaler, dessen zweiter Wohnsitz sich auf Korsika befindet, teil. „Durch den Sport ist man offener gegenüber den anderen Kulturen“, machte Thévenet im Gespräch mit Moderator Dr. Joachim Görgen, langjähriger ARD-Fernsehkorrespondent im Studio Straßburg, deutlich. „Der Sport ist ein sehr wichtiger Motivationsfaktor. Das Problem ist, dass wir die Jungen heute mehr motivieren müssen, Sport zu betreiben – früher gab es einfach nicht so viele Alternativen.“ Für Auflockerung während der zweistündigen Diskussion sorgte die HipHop-Vorführung der Gruppe „Force 2 rue“ aus Dijon sowie des SV Goethe Mainz.

Die agilen Goethe-Mädels von Ece Bas und die durchtrainierten HipHop-Boys aus Burgund waren auch ein echter Hingucker bei dem quicklebendigen Sammelsurium an Darbietungen von Sportlern beider Länder auf dem Gutenbergplatz vor dem Mainzer Staatstheater. Insgesamt enterten mehr als hundert junge Sportler aus je zehn rheinland-pfälzischen und burgundischen Vereinen die Bühne. Dass der Sport keine Grenzen kennt und einen wertvollen Beitrag leistet, dem „europäischen Gedanken“ näher zu kommen, wurde auch beim Staffellauf Dijon – Mainz mit 20 Teilnehmern klar. Aber auch die Tour der Freundschaft, eine Rad-Etappenfahrt mit rund 50 Sportsfreunden, die beide Partnerstädte auf symbolische Weise verband, war eine runde Sache. „Ich habe drei Jahre gebraucht, bis ich das organisiert hatte, denn es gibt 1.000 Sachen, die schief gehen können“, konstatierte Fadenzieher Joachim Friedsam im Gespräch mit Moderatorin Claudia Deeg. „Aber am Ende hat alles sehr gut geklappt.“ Michael Heinze

Auch der SWR hat einen Beitrag in seiner Nachrichtensendung "Rheinland-Pfalz aktuell" gesendet. Hier geht's zum Video!

 

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.