Paralympics: Warmer Medaillenregen für das Team Rheinland-Pfalz

Dressurreiterin Hannelore Brenner holt in London gleich zweimal Gold, auch Britta Näpel und Dr. Angelika Trabert schnappen sich jeweils zweimal Silber und Bronze / Silber auch mit dem Dressur-Team / Wojtek Czyz gewinnt im Weitsprung Silber

2012_hanne_brenner_foto_bsv_rlpAngeführt von Gold-Reiterin Hannelore Brenner vom Reitclub Hofgut Petersau bei Frankenthal hat das Team Rheinland-Pfalz an den ersten sieben Tagen der Paralympics in London bereits sieben Medaillen ergattert.

Der Triumph von Hannelore Brenner im Dressurreiten im Grade 3 - mit den Grades wird die Schwere einer Behinderung und somit die Startgruppe des Sportlers definiert - war umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass sie in ihrem Dressurritt auf „Women of the World“ im Greenwich Park einen kurzen Blackout erlebte. Die 49 Jahre alte Wachenheimerin („Ich hatte mir wohhl doch mehr Druck gemacht, als ich glauben wollte“) fragte beim Schiedsgericht über die geforderte Schrittfolge nach. Dann beendete die nach einem Reitunfall inkomplett Querschnittsgelähmte ihren Auftritt allerdings in souveräner Manier und holte nach Doppel-Gold in Peking 2008 ihren dritten Erfolg bei den Spielen. Mit 74,45 Prozent distanzierte sie die Britin Deborah Criddle (71,24) relativ deutlich. „Das war ein Krimi“, sagte Brenner später der Rheinpfalz. „Ich wusste auf einmal nicht mehr weiter, hatte einen richtigen Aussetzer und musste eine Schiedsrichterin fragen, wie es nun weitergeht.“ Weil sie trotzdem die Goldmedaille gewann, fühlte sich Brenner hernach wie auf Wolke sieben. „Ich bin total happy, denn damit hatte ich dann wirklich nicht mehr gerechnet.“ Sie habe viel mehr auf ihrem Pferd gesessen und gedacht: „Mist, ich habe es verbockt, dabei geht Women of the World doch so wunderbar.“

 

Zuvor hatten ihre bärenstarken Teamkolleginnen Britta Näpel, die aus dem rheinhessischen Wonsheim kommt und für die IG Therapeutisches Reitten Rhein-Main startet, sowie Dr. Angelika Trabert vom Reitclub Hofgut Petersau bereits Silber und Bronze in der Pflicht-Prüfung ihres Grades 2 gewonnen. Die beiden erfahrenen Reiterinnen hatten im Einzel lediglich der US-Amerikanerin Natasha Baker den Vortritt überlassen müssen. Die spastisch erkrankte Näpel, die vor vier Jahren bereits Gold gewonnen hatte, schwärmte hernach in hohen Tönen. „Das ist das Größte, was ich gefühlsmäßig ertragen kann“, wurde Näpel in der Koblenzer Rhein-Zeitung zitiert. Mit der Mannschaft reichte es für das deutsche Team mit Brenner, Näpel und Trabert hinter den unbezwingbaren Briten zur fast schon traditionellen Silbermedaille.

Am Montag gewannen Britta Näpel und Angelika Trabert erneut Silber und Bronze in der Dressur. Näpel sicherte sich auf Aquilina 3 mit 77,400 Punkten in der Kür wie schon in der Championatsprüfung den zweiten Platz vor Trabert (76,150 Punkte). Inklusive der Silbermedaille im Team war es für die beiden rheinland-pfälzischen Starterinnen die jeweils dritte Medaille in London.

Am Dienstag setzte sich Brenner nach der Pflicht auch in der Kür mit Musik auf "Women of the World" durch. "Das ist schon ein Riesenerfolg für die Reiter", resümierte Karl Quade, Chef de Mission der deutschen Mannschaft. "Wir haben bewiesen, dass wir eine Pferdesportnation sind."

Im Weitsprung wuchs Wojtek Czyz vom 1. FC Kaiserslautern nach einer alles andere als tollen Vorbereitung mit 6,33 Meter über sich hinaus und schnappte sich vor 80.000 begeisterten Zuschauern im Londoner Olympiastadion die Silbermedaille. Vor dem viermaligen Paralympics-Champion landete nur der unterschenkelamputierte Deutsche Meister Markus Rehm mit dem Fabel-Weltrekord von 7,35 Metern – damit wäre er bei der DM der Nicht-Behinderten im Juni Achter geworden. „Ich wette, dass Markus in naher Zukunft ohne Probleme bei den Deutschen Meisterschaften der Nicht-Behinderten mitspringen kann“, sagte Czyz, der mit seiner Darbietung uneingeschränkt zufrieden war: „Denn ich bin wieder der beste Oberschenkelamputierte.“

Der erste Paralympics-Einsatz von Maike Hausberger vom PostSportverein Trier derweil dauerte nur kurz. 3, 88 Meeter reichten dder 17-Jährigen nicchtt für den Einzug in den Weitsprrung-Endkampf der besten Acht. Bei den Spastikern der Klasse T37/38 belegte hausberger den neunten Rang. „der dritte versuch war ganz knapp übergetreten, ich habe das Plastillin ein bisschen angekratzt“, erläuterte die Teenagerin im Gespräch mit den trierischen volksfreund. Dass sie nicht über vieer Meeter gekommen sei, sei enttäuschend. „Vor allem, weil das in den letzten Wettkämpfen immer drin war.“

Dirk Passiwan von den Goldmann Dolphins Trier und die deutschen Rollstuhl-Basketballer erwischten in London einen Auftakt nach Maß. Gegen Großbritannien gab es einen 77:72-Erfolg nach Verlängerung, im zweiten Gruppenspiele gegen Kolumbien ließen sie ein 59:46 folgen und danach ein 64:49 gegen Japan. „Wir profitierten von unserem Kader, der in der Tiefe gut besetzt ist“, kommentierte Passiwan. Beim 66:73 gegen Kanada kassierten Passiwan und Co. am Sonntag ihre erste Niederlage.  Gegen Polen schaffte das Team um den Trierer in der Olympic Basketball Arenain einem dramatischen Spiel mit 73:63 und sicherte sich damit den zweiten Platz in seiner Vorrundegruppe. Die Mannschaft von Bundestrainer Nicolai Zeltinger lag bis ins vierte Viertel zurück, ehe sie mit viel Leidenschaft das Spiel auf den letzten Metern noch drehte. Im Viertelfinale am Mittwoch unterlag der Vize-Europameister den USA mit 46:57 (28:25) - damit sind alle Medaillenträume von Dirk Passiwan geplatzt..

Selcuk Cetin von der RSG Koblenz das Halbfinale verpasst. Der Bad Kreuznacher Rollstuhl-Tischtennisspieler verlor das Gruppenspiel gegen den Franzosen Gregory Rosec mit 1:3. Zum Auftakt hatte Cetins den Koreaner Kim Byoung Young mit 3:2 besiegt. „Schade, dass ich im Einzel nicht mehr im Wettbewerb bin“, meinte Cetin. „Ich bin sehr traurig. Aber ich schaue nach vorne. Ich muss jetzt Energie tanken für die Mannschaftskonkurrenz.“ Nach Abschluss der Einzelkonkurrenzen starten nun am Mittwoch die Teamkämpfe. Im Achtelfinale treffen Cetin und seine Partner Dietmar Kober und Werner Burkhardt auf das brasilianische Team. Bei einem Sieg wartet China auf die Deutschen. Die Spieler aus dem Reich der Mitte dominieren auch bei den Behinderten diese Sportart.

 

 

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.