„Den Gedanken der Inklusion einfach miteinander leben“

Behinderten- und Rehabilitatonssport-Verband und LSB empfangen Paralympics-Teilnehmer im Mainzer Landtag / Ministerpräsident Kurt Beck gratuliert persönlich
2012_empfang_paralympicsEinen warmen Empfang bereiteten der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV), der Landessportbund (LSB) sowie das Land gestern den rheinland-pfälzischen Paralympics-Teilnehmern im Mainzer Landtag. "Es ist an uns allen, der Gesellschaft Strukturen zu geben, die es ermöglichen, dass Menschen mit Behinderungen die Chance haben, großartige Leistungen, zum Beispiel im Sport, zu erbringen", sagte Landtagspräsident Joachim Mertes. "Wir müssen weiterhin dafür sorgen, dass diese Leistungen der breiten Öffentlichkeit nicht verborgen bleiben."

Auch Ministerpräsident Kurt Beck hatte es sich nicht nehmen lassen, persönlich im Landtag vorbeizuschauen, wo bis auf den Trierer Rollstuhl-Basketballer Dirk Passiwan und den Koblenzer Rollstuhl-Tischtennisspieler Thomas Schmidberger, der Silber und Bronze geholt hatte, alle Paralympics-Stars des Landes vertreten waren. "Ich habe mich unglaublich gefreut, dass die Briten ganz anders waren, als man gedacht hatte, dass sie sind", sagte Beck. "Das war richtig Fairplay, das war richtig Begeisterung - und hat sich auch auf die Athleten übertragen. Und ich bin mir ganz sicher, dass die Wettkämpfe von Menschen mit Behinderung genauso spannend sind wie die Olympischen Spiele." Es sei sehr zuversichtlich, so Beck, dass sich die unglaubliche Euphorie von London "zumindest ein Stück weit überträgt auf die Bevölkerung im Alltag". Positiv äußerte sich der Ministerpräsident nicht zuletzt über die "tolle Medienresonanz, die so intensiv wie noch nie bei Paralympischen Spielen war". Sein Appell: "Es ist jetzt an uns allen, dass wir den Gedanken der Inklusion einfach miteinander in unserer Gesellschaft leben."

BSV-Präsident Karl Peter Bruch sagte, wenn er Vorsitzender eines der erfolgreichsten Landesverbände in Deutschland bei den Paralympics sei, dann "macht einen das ein bisschen zufriedener mit der Arbeit, die - wie ich finde - eine der schönsten Arbeiten ist". Wenn man als Nicht-Behinderter mit behinderten Sportlern zusammenarbeite, bringe einem dies unheimlich viel. "In Rheinland-Pfalz hatten wir immer schon ein gewisses Interesse für den Behindertensport", so der frühere Innen- und Sportminister des Landes. "Aber dieses Interesse ist viel größer geworden." Die Top-Sportler mit Handicap lebten "von der Sportförderung vom Land Rheinland-Pfalz und von Lotto Rheinland-Pfalz, die uns bei unendlich vielen Gelegenheiten helfen". Ziel für die Zukunft müsse es nun sein, "noch ein bisschen mehr nach außen zu treten", in der Öffentlichkeit noch mehr Verständnis, ein noch engeres und selbstverständlicheres Miteinander, zu erreichen. Bruch wörtlich: "Inklusion heißt Teilhabe Behinderter wie Nicht-Behinderter - und daran arbeiten wir."

Eine, die noch viele Jahre davon profitieren würde, ist Leichtathletin Maike Hausberger. "Ich war super zufrieden mit mir in London", erklärte die 17-Jährige, die bei ihrer Paralympics-Premiere noch ohne Medaille blieb, im Gespräch mit Moderator Christian Döring. "Am meisten nehme ich von London die Stimmung mit." Dem einarmigen Hochspringer Reinhold Bötzel ging es ganz genauso. "Es war unglaublich, das hat mich alles sehr beeindruckt", sagte Bötzel. "Wenn man meinte, es ist schon extrem laut, haben die Zuschauer im Olympia-Stadion noch einmal einen drauf gesetzt. Es sind Emotionen in mir hoch gekommen, die ich in der Form nicht kannte." In den Augen von Wojtek Czyz, Vize-Paralympicssieger im Weitsprung, war ganz England voller Begeisterung. "Ich habe ja schon viel erlebt. Aber dass man wirklich im Stadion steht und sich überlegt, ob man sich besser die Ohren zuhält, weil das Publikum so laut ist, das gab es auch bei mir noch nie." Auch die glorreichen Dressurreiterinnen Hannelore Brenner, Britta Näpel und Dr. Angelika Trabert und Rollstuhl-Tischtennis-Spieler Selcuk Cetin haben freudig registriert, dass die Menschen die Leistung der Athleten offenbar immer mehr wahr nehmen. "Das ist dann umgeschlagen in Begeisterung - und das haben wir zu spüren bekommen mit jeder einzelnen Faser unseres Körpers", sprach Czyz stellvertretend für alle. Man habe den Respekt gemerkt, den die Engländer den Medaillen-Gewinnern entgegengebracht hätten.

Laut LSB-Präsidentin Karin Augustin und Werner Schröter, für den Leistungssport zuständiger LSB-Vizepräsident, hat der Landessportbund in den vergangenen Jahren gute Rahmenbedingungen geschaffen, von denen man heute profitiere. "Wenn man im Bund überlegt, die Förderung neu zu überdenken, dann behaupte ich ganz selbstbewusst - bei uns in Rheinland-Pfalz muss das nicht so sein", so Schröter. Lotto Rheinland-Pfalz mit dem früheren LSB-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Schössler an der Spitze und die Mainzer Schott AG mit dem sportbegeisterten Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer seien vorbildhafte "Unternehmen, die an den Leistungssport denken". Schössler resümierte, die Rheinland-Pfälzer seien "unendlich stolz auf ihre Olympioniken und Paralympioniken.

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.