Behinderte bewegen sich und die Gesellschaft

BSV Rheinland-Pfalz feiert sein 60-jähriges Bestehen / Festakt in Koblenz ist alles andere als eine trockene Veranstaltung

2012_talkrundeSelten trifft ein Buchtitel es so auf den Kopf: „Behinderte bewegen…“ heißt die Chronik, die der  Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz beim Festakt zu seinem 60-jährigen Bestehen vorstellte. Wenn Behinderte Sport treiben, dann bewegen sie nicht nur sich – sie bewegen auch viel für sich und viel in der Gesellschaft.

Hagen Herwig, der Geschäftsführende Präsident des BSV, konnte zahlreiche Gäste zur Feierstunde in Koblenz begrüßen: Politiker und Sportler, Verbands- und Vereinsvertreter. Schon in den Grußworten kam zum Ausdruck, was behinderte Sportler bewegt und was sie bewegen: Der für Sport zuständige Innenminister Roger Lewentz, der auch die Grüße von Ministerpräsident Kurt Beck überbrachte, hob die Bedeutung des BSV für den Spitzen- und den Breitensport im Land hervor: „Hier wird eine klasse Verbandsarbeit geleistet. Den Vereinen wird wo es nur geht geholfen.“ Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher, der auf Bundesebene vor Jahresfrist dasselbe Jubiläum feiern konnte, sprach die „riesige Entwicklung“ an, die der Behindertensport in den vergangenen Jahren genommen habe. „Welchen Stellenwert die Paralympics heute haben, das hätten wir vor 10 oder 20 Jahren niemals erwartet.“ In ihrer Festrede ging DOSB-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper vor allem auf das Thema Inklusion ein – das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten: „Nicht die Menschen mit Behinderung müssen sich anpassen, sondern die gesellschaftlichen Gegebenheiten müssen an die Bedürfnisse der Behinderten angepasst werden.“ Verstärkte gleichberechtigte Teilhabe der Behinderten am gesellschaftlichen Leben bringe allen Menschen etwas.

Der Festakt war keine trockene Vortragsveranstaltung. Kabarett und Talkrunde boten Unterhaltung auf bestem Niveau. Der mehrfache Weltmeister und Paralympics-Medaillengewinner Rainer Schmidt erntete Beifall und wahre Lachsalven, als er von seinen Kindheitserinnerungen und von seinem Sportlerleben erzählte – mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Der evangelische Theologe, der als Tischtennisspieler trotz stark verkürzter Arme und ohne Hände sicherlich auch viele Nichtbehinderte „von der Platte fegen“ würde, nahm die Gäste mit seinem Humor gefangen. Ganz gleich, ob er von seinem fehlenden Fingerspitzengefühl oder von seinem einzigartigen Daumen berichtete.

Hohen Unterhaltungswert hatte auch die Talkrunde, die wie die gesamte Veranstaltung von SWR-Reporter Christin Döring exzellent und schlagfertig moderiert wurde. Die Koblenzerin Traudel Weber erzählte als Medaillengewinnerin bei den ersten Winterparalympics von fast vergessenen Zeiten und bildete somit das optimale Pendant zur aktuellen Paralympics-Medaillengewinnerin, der Dressurreiterin Britta Näpel, die die einmalige Atmosphäre in London auf fesselnde Weise vermittelte. Autor Stefan Kieffer steuerte eindrucksvolle Erkenntnisse aus seinen Recherchen für das Buch zum 60-jährigen Bestehen bei. Hagen Herwig betonte, warum eben dieses Buch für den Verband zum jetzigen Zeitpunkt so wichtig sei: „Wir wollten unbedingt die beeindruckenden Aussagen der Zeitzeugen aus den Gründerjahren in die Chronik mit aufnehmen.“ BSV-Vizepräsident Rolf Boettiger überreichte dem Bad Kreuznacher Fritz Brosius, Ehrenmitglied des BSV, die Auszeichnung „Pro Ehrenamt“ für seine enormen Verdienste, die Brosius erworben hat.

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.