Im Streitfall taugt auch der Sport zur Konfliktlösung

Ein neues Friedensprojekt des Landessportbundes für junge Multiplikatoren aus Ruanda und dem Kongo

2012 ruandaDer Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) hat ein neues Friedensprojekt in Gisenyi, am oberen Kivu-See in Ruanda, ins Leben gerufen. Bei diesem Projekt soll nicht der politische Konflikt zwischen dem rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda und dem Nachbarland Kongo im Vordergrund stehen. Vielmehr geht es um die zwischenmenschliche Dimension der Konflikte. Also beispielsweise um die Frage, wie zwei Jugendliche auf dem Sportplatz oder in der Schule mit Meinungsverschiedenheiten umgehen. Wenn solche Konflikte nicht vermieden werden können, sollten sie zumindest gewaltfrei gelöst und unter Umständen sogar konstruktiv genutzt werden. Die zu Grunde liegenden Werte wie Fair Play und Respekt gegenüber dem Gegner sind hier von entscheidender Bedeutung.

Aus diesem Grund werden im Rahmen des Projektes 20 Jugendbetreuer beider Länder unterschiedlicher Disziplinen darin geschult werden, wie auch der Sport im Streitfall zur Konfliktlösung beitragen kann. Unter Anleitung von Alois Stroh, Mitglied des LSB-Arbeitskreises für Internationale Fragen, werden den Trainern im ruandischen Gisenyi eine Woche lang theoretische und praktische Grundlagen vermittelt, die sie wiederum befähigen sollen, als Multiplikatoren für ein Mehr an friedlichem Miteinander in ihren Regionen ihr Wissen an andere weiterzugeben. „Ich war auch total begeistert“, schwärmte Seminarleiterin Jessie Bohr, die die Trainer gemeinsam mit Alois Stroh schulte. „Ich war besonders glücklich, als die Ruander sich beim Regionalabend mit den Kongolesen vereint haben und bei deren Präsentation einfach kongolesisch mitgetanzt haben. Wenn das mal keine Integration ist…“ Was den Lehrgang betrifft, könne sie nur sagen, „dass Alois und ich auch ein super Team waren – gerne wäre ich noch einmal dabei“. Stroh überreichte übrigens im Namen des Südwestdeutschen Amateur-Box-Verbandes Mundschutz und Bandagen an die Vertreter des ruandischen Boxverbandes – gerade auch aus hygienischen Gründen eine ebenso willkommene wie wertvolle Spende.

In den Augen von Helmut Loenenbach, Vorsitzender des LSB-Arbeitskreises für Internationale Fragen, hat der Landessportbund mit dem Projekt Neuland beschritten. „Dort trafen sich Jugendbetreuer aus dem Kongo und aus Ruanda, aus Gebieten östlich und westlich des Kivu-Sees“, so Loenenbach, „deren Ethnien zum Teil verfeindet waren oder sind.“ Ziel dieses Lehrgangs sei Friedensarbeit durch Sport gewesen. „Hier kann der Sport dazu beitragen, mit Konflikten friedlicher umzugehen, Vorurteile abzubauen, Gemeinsamkeiten zu entwickeln, Vertrauen zu fördern, ein Miteinander zu leben“, weiß Loenenbach. „Aus Erzfeinden können Partner, sogar Freunde werden, Deutsche und Franzosen haben dies geschafft. Wir setzen Hoffnung in diese jungen Multiplikatoren. Der LSB wird sich weiter dafür einsetzen, er setzt ein Friedenszeichen.“

Laut dem Arbeitskreis-Vorsitzenden engagiert sich der LSB seit 30 Jahren für die Menschen im Partnerland Ruanda. „Wir haben dies immer aus Überzeugung und mit ein bisschen Herzblut getan, im Bewusstsein, dass der Sport überall auf der Welt Menschen auch positiv ansprechen und faszinieren kann. So war es uns immer wichtig, in Absprache mit den Partnern dort deren Anliegen aufzunehmen, um den Menschen neue Perspektiven zu geben. Dazu haben in der Vergangenheit Lehrgänge vor Ort für Jugendbetreuer, für Lehrer, für Trainer in verschiedenen Sportarten beigetragen. Unsere Vereine haben es auch mit ihren Spenden ermöglicht, dass seit 1986 eine größere Anzahl von Mehrzweckplätzen entstanden ist.“ Ein besonderes Projekt habe der LSB gemeinsam mit den ruandischen Freunden in Kimisagara, dem bevölkerungsreichsten Stadtteil der Hauptstadt Kigali, ab 1988 gebaut, ebenfalls ermöglicht durch das offene Herz vieler Sportler rheinland-pfälzischer Vereine. „Dieses Sportzentrum Kimisagara wurde mehr und mehr zum Begegnungsort sehr vieler Jugendlicher, bis zum Genozid 1994“, so Loenenbach. „Mehrere Tausend Überlebende dieses Völkermords, der fast eine Million Opfer forderte, fanden damals im Sportzentrum Kimisagara eine erste Zuflucht. Es waren traumatisierte Menschen, Kinder, Waisen. Wenn man heute Kimisagara besucht, merkt man nichts mehr von dem, was damals an unsagbarem Leid über die Menschen kam. Heute finden jeden Tag über tausend Jugendliche den Weg zu den Sportflächen für Fußball, Handball, Volleyball und Basketball, auch Hallen und Lesesäle sind ständig frequentiert.“ Ein Vertreter des ruandischen Sportministeriums sprach im August von dem Jugendzentrum als Vorzeigemodell für andere Länder Afrikas. „Es war der LSB, der vor 25 Jahren dieses Projekt geplant und auf den Weg gebracht hat“, sagte Loenenbach. „Der LSB darf darauf auch ein bisschen stolz sein.“

 

 

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.