„Kein Mensch sollte sich als Opfer fühlen“

LSB-Aktionstag für Senioren in Mainz-Gonsenheim unter dem Motto „Stärke zeigen ohne Gewalt“ stößt auf große Resonanz / Neuauflage im Frühjahr 2013 geplant

Bei der Aufführung des Seniorentheaters amüsierte sich das Publikum in den voll besetzten Stuhlreihen prächtig. Foto: M. HeinzeDie Angst vor und die Folgen von Gewalttaten wiegen bei älteren Menschen schwerer als bei jüngeren Opfern. Wie man sich effektiv schützen kann, das erfuhren 95 Männer und Frauen beim LSB-Aktionstag „Stärke zeigen ohne Gewalt“ in Mainz-Gonsenheim, der sich in Kooperation mit den Turngemeinden Mainz-Gonsenheim und Budenheim an Senioren richtete.

In Vorträgen und Workshops zeigten die Referenten vielfältige Verhaltensmaßnahmen in Bedrohungssituationen auf und klärten Fragen zur Sicherheit. „Selbstverteidigung hat viel mit der Einstellung und mit der Körpersprache zu tun“, machten die Kampfkunstlehrer Mukatder Gül und Petar Kovacev von der Wu-te Akademie Wiesbaden/Mainz deutlich. Kraft, Schnelligkeit und Körpergröße seien gar nicht so entscheidend, bläuten die beiden Experten den Senioren ein. „Mit Kleinigkeiten kann man schon sehr viel erreichen“, so der Tenor. „In Gefahrensituationen, in denen man sich nur noch körperlich zur Wehr setzen kann, lassen sich Alltagsgegenstände wir Regenschirme, Spazierstöcke, Kugelschreiber oder auch Handtaschen wirkungsvoll einsetzen.“ Die zentrale Botschaft der Kampfkunstlehrer: „Kein Mensch sollte sich als Opfer fühlen und sich auch nicht in diese Rolle begeben. Stattdessen sollte jeder – egal ob Alt oder Jung, Dick oder Dünn, Groß oder Klein – wehrhaft sein und wehrhaft bleiben. Ganz sicher auch eine mentale Geschichte, wie die Wiesbadener unterstrichen.

Wie man als Seniorin oder Senior über Sprache und Körpersprache den verschiedensten Formen von Gewalt so entgegen wirken kann, dass es erst gar nicht zu Attacken von bösen Mitmenschen kommt, war auch das Thema von Christa Burkhardt. „Man sollte eine ganz klare Körperhaltung einnehmen – aufrecht und mit Blickkontakt“, erläuterte die Dame von comSens, dem Zentrum für Verständigung in Gau-Algesheim, deren Referat die Überschrift „Duckmaus trifft Gorilla“ trug. „Der Gorilla geht Handgemengen aus dem Weg. Der ist ganz clever und über seine Körperhaltung signalisiert er schon, dass man es mit ihm lieber nicht aufnehmen sollte. Die Duckmaus kann von dem Gorilla ganz viel lernen.“

Unter dem Motto „Sicher gegen Geschäftemacherei“ hatte Sonja Guettat von der Verbraucherzentrale in Mainz ihren Vortrag gestellt. Den Fokus richtete sie dabei auf die unerwünschte Telefonwerbung. „Wenn man angerufen wird von jemandem, den man nicht kennt, sollte man sich nicht scheuen, sofort aufzulegen“, so der Rat der Fachfrau. „Wenn man doch einmal mit unseriösen Geschäftemachern zu tun hat, muss man sich wehren. Gegen Forderungsschreiben, mit denen man nicht einverstanden ist, sollte man sich schriftlich zur Wehr setzen.“ Die Verbraucherzentrale bietet in diesem Zusammenhang Musterbriefe an.

Beim Publikum stieß der Aktionstag, der durch das Seniorentheater „Die Antiquitäten“ aus Koblenz abgerundet wurde, auf positive Resonanz. Sogar eher skeptische Geister waren angetan. „Es war sehr informativ“, meinten die Besucher Christa Ludwig (61) und ihr Gatte Gerhard (65) aus Mainz-Gonsenheim. „Man ist sensibilisiert worden. Die Art und Weise, wie man Konflikte löst, kann man nicht oft genug vor Augen geführt bekommen.“ Laut Cheforganisatorin Hiltrud Gunnemann, beim LSB Abteilungsleiterin Sportentwicklung/Breitensport, wünschten sich viele Senioren eine Neuauflage – und die wird es auch geben. Wahrscheinlich schon im Frühjahr. Dann soll das praktische Einüben von Selbstbehauptungsmechanismen noch stärker im Mittelpunkt stehen.

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.