Projekt „Sport für alle – Wir helfen mit!“ in der nächsten Runde

Landessportbund und Sparda-Bank Südwest bilden in Mainz 59 Vereinsvertreter als „Vertrauenscoaches“ fort / Interview mit Armutsforscherin Gerda Holz

2012 vertrauenscoachesDas Projekt „Sport für alle – Wir helfen mit!“ ist in die nächste Runde gegangen. Auch in Zukunft unterstützen der Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) und die Sparda-Bank Südwest Vereine im Kampf gegen Armut. 59 „Vertrauenscoaches“ aus 39 Vereinen wurden jetzt in Mainz-Mombach im Rahmen einer Schulungsmaßnahme des LSB als so genannte „Vertrauenscoaches“ fortgebildet, um direkt vor Ort benachteiligten jungen Menschen zu helfen. Mit der Armutsforscherin Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Frankfurt richteten die Übungsleiter, Jugendleiter und Vereinsvorstände einen Blick darauf, welche Aktivitäten sich für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche anbieten und wo die Grenzen ihrer Arbeit sind. In einem Interview nahm die Politikwissenschaftlerin und Sozialarbeiterin zu einigen zentralen Fragen Stellung.

Frau Holz, inwiefern gibt es Armut bei Kindern und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz?
Junge Menschen sind generell die Bevölkerungsgruppe mit dem höchsten Armutsrisiko. Bundesweit und auch in Rheinland-Pfalz. Je nach Region leben zwischen 10 und 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Armut.

Wo liegen die Schwerpunkte, welche Städte oder Stadtviertel sind besonders betroffen?
Es gibt bundesweit ein Strukturmuster. Demnach ist eine höhere Armutsbetroffenheit in Städten festzustellen als in ländlichen Regionen. Klar ist: Es gibt in jedem Ort und in jeder Gemeinde Familien, die von Armut betroffen sind. Je größer der Ort oder die Gemeinde, desto sichtbarer wird diese Armut. Dann sind es nicht mehr nur einzelne Familien, sondern eine Straße, ein Quartier oder ein Stadtteil.

Was bedeutet eigentlich Armut bei Kindern und Jugendlichen konkret?
Arme Kinder leben in armen Familien. Es ist immer der gesamte Haushalt, der arm ist. Daraus ergibt sich dann, dass den Kindern die finanziellen Möglichkeiten nicht gegeben sind und sie Einschränkungen in ihrer Entwicklung erleben. Das heißt, sie können weniger am Kindergeburtstag teilnehmen, die Eltern können den Vereinsbeitrag nicht zahlen oder sie können keine teureren Schulmaterialien kaufen. Auch das Bezahlen von Ausflügen ist schwierig. Außerdem ist die Wohnung zu klein, diese Kinder haben keine Möglichkeiten zum Lernen oder zum Rückzug. Das Haus liegt vielleicht auch an einer viel befahrenen Straße und es gibt keinen Spiel- oder Sportplatz in der Umgebung.

Inwiefern ist das Sporttreiben für Kinder, die von Armut betroffen sind, von Bedeutung?
Zum einen wäre hier der körperliche Effekt zu nennen. Sich zu bewegen, seine Fähigkeiten zu entwickeln: Kinder müssen sich entwickeln, das ist ihre Aufgabe in dem Alter. Zum anderen erleben sie beim Sport Gemeinschaft. Sie können hier mit ihren Freunden zusammen etwas machen. Sie erleben Erfolge und merken, dass sie durch Üben immer besser werden.

Bislang wurden Verantwortliche aus 39 Sportvereinen zu so genannten „Vertrauenscoaches“ geschult. Das Projekt von LSB und Sparda-Bank begleiten Sie seit zwei Jahren. Ihr Eindruck?
Die Vertrauenscoaches zeigen ein großes Engagement und eine hohe Bereitschaft, mit Zeit, mit Ideen und mit persönlichen Netzwerken etwas zu bewirken in den Vereinen. Erfreulich finde ich, dass so eine große Zahl unterschiedlicher Angebote und Projekte für von Armut betroffene Kinder und Jugendliche entwickelt worden ist. Das fängt an mit der Befreiung von Mitgliedsbeiträgen und geht über die Bereitstellung von Trainings- und Sportkleidung oder die Einbindung in Ferienaktionen und –freizeiten bis hin zum Aufbau von Hausaufgabenhilfen, Ferienbetreuung und Aktivitäten für Jung und Alt. Genauso erfreulich ist, wie sehr von den „Vertrauenscoaches“ die Kooperation mit anderen Einrichtungen vor Ort – mit Kitas, Schulen und der Jugendhilfe - gesucht wird und auch gelingt. Noch nicht genügend gelingt die Kooperation mit den ARGEN vor Ort. Hier wünsche ich mir gerade zur Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets, dass die kommunalen Anlaufstellen und ARGEN noch stärker auf die Vereine zugehen und Bearbeitungsverfahren finden, die unbürokratisch zur Auszahlung der Teilhabemittel führen.

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.