Ziel bleibt eine Partnerschaft auf Augenhöhe

Vollversammlung des Aktionsbündnisses Schulsport in Mainz / Rahmenvereinbarung zwischen LSB und Bildungsministerium soll weiterentwickelt werden

2013 vv aktionsbndnis schuDie Rahmenvereinbarung zwischen dem Landessportbund und dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium muss im Sinne einer einfacheren Vertragsgestaltung sowie einer Partnerschaft auf Augenhöhe weiterentwickelt werden: Das ist eines der Ergebnisse der Vollversammlung des Aktionsbündnisses Schulsport, die mit mehr als 70 Teilnehmern – darunter Vertreter von Landtag, Bildungsministerium, Deutschem Sportlehrerverband, TU Kaiserslautern sowie aus dem organisierten Sport – unter dem Motto „Sport im Ganztag – Bestandaufnahme und Perspektiven“ im Haus des Sports in Mainz stattfand.

In angeregten Diskussionen wurden wertvolle Ergebnisse gewonnen, aus denen sich weitere Entwicklungsaufgaben ergeben: Zum einen soll der Stellenwert von Bewegung und Sport im Rahmen der pädagogischen Konzeption von Ganztagsschulen gefördert und der Ausbau eines regionalen Unterstützungssystems für die Vereine und Verbände forciert werden. Zum anderen sollen Übungsleiter verstärkt für den Sport im Ganztag gewonnen und qualifiziert und die wissenschaftliche Begleitung weitergeführt werden. Nicht zuletzt ist aus Sicht des organisierten Sports ein deutlicher Ausbau der finanziellen Unterstützung durch das Land notwendig.

„Diese Ergebnisse werden die weitere Arbeit in den Gremien bestimmen, damit Kooperationen zwischen Ganztagsschulen und Vereinen für unsere Kinder, für die Sportvereine und für die Schulen erfolgreich gestaltet werden können“, betonte Günter Berg, LSB-Vizepräsident für Bildung und Erziehung, zum Abschluss des Expertentreffens, das unter Moderation von Joachim Nieß, Mittelstufenleiter am Mainzer Theresianum Gymnasium, stand.

Berg wies auf die Folgen des Bewegungsmangels bei Kindern und Jugendlichen hin. Mit Einführung der Ganztagsschule vor gut zehn Jahren durch die Landesregierung habe der rheinland-pfälzische Sport, der sich hier von Beginn an stark engagiert habe, die Hoffnung verknüpft, „dass durch zusätzliche Bewegungs- und Sportangebote in der Schule auch Kinder und Jugendliche, die bislang vom organisierten Sport nicht erreicht wurden, zu möglichst lebenslangem Sporttreiben in den Vereinen motiviert werden“. Doch spätestens an dieser Stelle, so der LSB-Vizepräsident, würden „Baustellen“ deutlich. „Ich rede hier von dem Problem, wie Kinder und Jugendliche die im Ganztag sind, überhaupt noch in Kontakt mit dem Angebot der Sportvereine kommen können. Es besteht die realistische Gefahr, dass – wenn wir hier nicht gegensteuern – sich die Entwicklung der Ganztagsschule nachteilig auf die Vereine auswirkt. Zusammengenommen mit der demografischen Entwicklung oder der täglichen längeren Verweildauer der Kinder in der Schule nicht nur im Ganztag, ist ein Ausbluten der Vereine zu befürchten.“ Berg wörtlich: „Die Ganztagsschule ist eine Realität und gesellschaftliche Notwendigkeit. Sie wird gebraucht. Darin besteht sicher Konsens. Wir brauchen aber auch einen Konsens in der Frage, wie diese Schule so gestaltet werden kann, dass zum einem dem kindlichen Bedürfnis nach Bewegung, Spiel und Sport Rechnung getragen wird und zum anderen die Sportvereine in die Lage versetzt werden, ihre Kompetenzen einzubringen und ihre Jugendarbeit aufrechtzuerhalten.“ Dazu bedürfe es vor allem einer deutlich höheren Unterstützung durch das Land – „finanziell sowie in den Rahmenbedingungen“.

Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann legte dar, sein Ministerium sehe in den Sportvereinen zentrale Kooperationspartner für die Ganztagsschulen. Sehr positiv bewertete er in diesem Zusammenhang die Kooperationsveranstaltungen der Sportbünde und Fachverbände mit den Ganztagsberatern seines Ministeriums. Die Schulen würden dabei seitens des Ministeriums angehalten, vorwiegend Verträge mit Sportvereinen abzuschließen. Beckmann stellte insbesondere die Kooperationsbemühungen des Fußballverbandes Rheinland heraus, der mittlerweile mit 110 Schulen und Vereinen kooperiert. Im Schuljahr 2012/13 wurden laut Beckmann insgesamt mehr als 200 Kooperationsverträge abgeschlossen. Der Staatssekretär räumte aber auch ein, dass weiter Optimierungsbedarf – insbesondere in der Kommunikation zwischen Ganztagsberatern und Vereinen – bestehe.

Jens Schug, Vorsitzender der SFG Bernkastel-Kues, Zentrum für regionale Beratung im Ganztag, befand, die Rahmenbedingungen für die Vereine müssten rasch verbessert werden. Eine bessere finanzielle Unterstützung durch die Landesregierung forderte auch Martin Weinitschke, Geschäftsführer des Sportbundes Rheinland, der skizzierte, was die Sportbünde zum Ausbau eines regionalen Unterstützungssystems geleistet haben und wo sie noch Förderungsbedarf sehen. Studiendirektor a.D. Wolfgang Stolte, Mitglied des LSB-Arbeitskreises Schulsport und Lehrgangsleiter der Übungsleiter B Ausbildung „Sport im Ganztag“, hielt ein Plädoyer für die Qualifizierung. Tenor: Durch Qualifizierung kommt Qualität in die Ganztagsangebote.

Hintergrund:
Das Aktionsbündnis Schulsport wurde 1999 durch den Landessportbund initiiert. Auf den regelmäßig stattfindenden Vollversammlungen treffen sich die Mitglieder des Aktionsbündnisses, um sich über aktuelle Themen auszutauschen und auf breiter gesellschaftlicher Basis gemeinsame Leitlinien abzustecken. Das Thema „Sport im Ganztag“ und insbesondere die Auswirkungen der Ganztagsschule auf die Sportvereine und Sportverbände ist dabei in den vergangenen Jahren immer mehr in den Vordergrund gerückt und wird derzeit auch bundesweit intensiv diskutiert.

Die gesetzten Entwicklungsaufgaben finden Sie hier .
Den Erfahrungsbericht aus der Praxis von J. Schug bezüglich der "Rahmenvereinbarung und Vertragsgestaltung für den Sport im Ganztag" finden Sie hier .
Die Präsentation von M. Weinitschke zum Thema "Aufbau eines regionalen Beratungs- und Unterstützungssystems" steht für Sie zum Download bereit. Einfach hier klicken.
Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.