Behinderte Schüler betreuen behinderte Sportler

39. Landesjugendspiele des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz (BSV) in Nieder-Olm

2013 ljs f Es ist die traditionsreichste Veranstaltung des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz (BSV)  – doch in diesem Jahr gab es neben Bewährtem auch Neues. Bei den 39. Landesjugendspielen für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung in Nieder-Olm konnten die Teilnehmer erstmals auch das Sportabzeichen für Behinderte ablegen. Und auch bei der Helferschar gab es ein Novum: Auch Behinderte betreuten die Sportler.

Die Landesjugendspiele erfreuen sich bei den Teilnehmern auch im 39. Jahr ungebrochen großer Beliebtheit: Rund 400 Jungen und Mädchen nahmen teil. Und ihre Bedeutung wird von (Sport-)Politikern anerkannt. So konnte Hagen Herwig, der Geschäftsführende Präsident des BSV, neben BSV-Präsident Karl Peter Bruch auch LSB-Präsidentin Karin Augustin und Staatssekretärin Margit Gottstein und Vertreter mehrerer Ministerien und Behörden begrüßen.

Das Orga-Team um BSV-Referentin Lisa Reithmann wartete dann gleich nach dem traditionellen Einlauf der teilnehmenden Mannschaften mit einer Änderung auf. Die Staffelwettbewerbe – sonst krönender Abschluss der Landesjugendspiele – wurden gleich zu Beginn durchgeführt. Eine Änderung, die erfolgreich war, denn in den Vorjahren mussten einzelne Teilnehmer aus Zeitgründen schon vor den Staffeln abreisen.

Die ersten Sieger des Tages waren nach von Beifall begleiteten Rennen auf der Stadionrunde zügig ermittelt: Landau setzte sich vor Bad Kreuznach und Landstuhl durch, bei den Blinden und Sehgeschädigten kam Neuwied vor Friedberg ins Ziel.

Zwölf Schulen bzw. Vereine stellten Teilnehmer bei den 39. Landesjugendspielen: Bad Kreuznach, Frankenthal, Landau, Landstuhl, Mainz-Laubenheim, Lebach, Neuwied, Nieder-Olm, Rockenhaus, Friedberg und Trier. Das Orga-Team meisterte wieder die logistische Herausforderung, die Wettkämpfe parallel an rund einem Dutzend Stationen durchzuführen. Das war nur durch die große Zahl an Helfern möglich, allen voran der Sport-Leistungskurs des Gymnasiums Nieder-Olm, der nun schon seit 30 Jahren immer wieder bei den Landesjugendspielen aktiv ist. Eine feste Größe sind auch die Sportstudenten der Mainzer Universität, die zu einem reibungslosen Ablauf beitragen.

Neu unter den rund 100 Helfern war in diesem Jahr eine Gruppe aus Meisenheim.  Dort läuft eine Kooperation zwischen behinderten Schülern vom  Bodelschwingh-Zentrum und nicht-behinderten Schülern vom Paul-Schneider-Gymnasium. Alle zwei Wochen haben 15 Nichtbehinderte und acht geistig Behinderte eine vierstündige gemeinsame Unterrichtseinheit, bei der es vor allem darum geht, Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Durch diese Form der gelebten Inklusion am Rande des Schulalltags wird die klassische Rollenverteilung zwischen Behinderten und Betreuern aufgebrochen. In der gemischten Schüler-Gruppe bietet vor allem Sport eine Möglichkeit, dass sich alle Schüler gleichberechtigt einbringen können. Gute Erfahrungen wurden schon mit einem Besuch des Integrativen Sport- und Spielfestes während der Bundesgartenschau in Koblenz gemacht – und daraus entwickelte sich die Idee, dass die Schülergruppe auch das Helferteam bei den Landesjugendspielen verstärken könnte.

Auch das eine oder andere Mitglied des Orga-Teams muss sich noch an die Idee gewöhnen, dass Behinderte nicht nur als Sportler, sondern auch als Helfer beim großen Sportfest des BSV in Nieder-Olm dabei sind: Als sich zwei der Schüler mit Behinderung  aus Meisenheim anmelden wollten, hieß es: „Aber eure Schule ist doch gar nicht dabei.“ Die Antwort kam prompt und stolz: „Wir sind ja auch keine Teilnehmer, sondern Helfer!“

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.