Behindertensport: Rekordbeteiligung beim Wandertag für Menschen mit geistiger Behinderung

2013 wandertag f bsv rlpDas traumhafte Frühlingswetter war nicht unbedingt erwartet worden – und so sorgten Kurzentschlossene dafür, dass der traditionelle Wandertag für Menschen mit geistiger Behinderung am Kloster Ebernach eine Rekordbeteiligung verzeichnete: Noch am Morgen meldeten sich einige Gruppen an: Mehr als 1.300 Wanderer gingen dann auf eine der drei Strecken – so viele wie noch nie in der fast 30-jährigen Geschichte des Wandertages.

Veranstaltet wird der Wandertag von Beginn an vom Behinderten- und Rehabilitationsport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV), seit vier Jahren in Zusammenarbeit mit Special Olympics Rheinland-Pfalz. Die beiden Organisationen könnten die beliebte Mammut-Veranstaltung aber nie alleine stemmen: Zahlreiche Unterstützer sind mit von der Partie. Die Leitung des Klosters steht geschlossen hinter der Veranstaltung und die BSG Fortuna Ebernach kümmert sich mit vielen ehrenamtlichen Helfern um alle wichtigen Details. Und auch Sponsoren zeigen ihr Herz für die Menschen mit geistiger Behinderung: Finanziell unterstützt wird der Wandertag von der Sparkasse Mittelmosel, der Vereinigten Volks- und Raiffeisenbank und der Lebensmittelfirma Jomo.

Drei Strecken standen auch in diesem Jahr wieder zur Auswahl. Die kürzeste, die auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist, bleibt alljährlich gleich. Die mittlere (8 bis 12 Kilometer) und die lange (12 bis 15 Kilometer) werden in jedem Jahr neu festgelegt. So ist auch für die vielen Teilnehmer, die Jahr für Jahr dabei sind, für Abwechslung gesorgt. In diesem Jahr war die lange Strecke mit steilen Steigungen in Weinbergen ganz besonders anspruchsvoll.

Wie immer wird das Mittagessen auf der Strecke an einem zentralen Rastplatz angeboten. Nach der Wanderung gibt es im Kloster Ebernach Kaffee und Kuchen. Dieses gesellige Beisammensein ist für viele Teilnehmer genauso wichtig wie die Wanderung selbst.

Das sehen auch Hans-Jürgen Johnen und Julia Fischer so. Der 67-jährige Johnen wohnt schon seit 1959 im Kloster Ebernach, seine  Arbeitskollegin Julia Fischer seit 2004. Für die 26-jährige war es selbstverständlich, dass sie mit ihrem Kollegen gemeinsam auf die kurze Strecke ging, „weil wir uns ja auch bei der Arbeit gut verstehen“.

Die mehr als 1.300 Teilnehmer reisten mit ihren Betreuern aus Einrichtungen in ganz Rheinland-Pfalz an. Eine vergleichsweise kurze Anreise hatte Hubert Weber, der im Haus der Barmherzigen Brüder in Saffig lebt. Der 59-Jährige absolvierte im vergangenen Jahr die lange Strecke, in diesem Jahr aber nur die kurze, „weil in unserer Gruppe ja auch ältere Teilnehmer waren, die nicht mehr so lange laufen können“. Für Hubert Weber selbst wäre die große Runde kein Problem: „Ich wandere gerne und viel. Oft gehe ich auch zu Fuß von Saffig zu meiner Arbeitsstelle in Plaidt.“

Trotz seiner Wandererfahrung war Hubert Weber in diesem Jahr ganz froh, dass er nur die kurze Strecke absolvierte: „Bei dem schönen Wetter hatte ich Sandalen an. Im nächsten Jahr komme ich aber in richtigen Wanderschuhen.“ Nicht nur die Wanderung in der schönen Landschaft war für Hubert Weber die Tour nach Cochem wert, auch die Verpflegung: „Die Suppe war richtig gut, ich habe mir sogar noch einen Nachschlag geholt.“

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.