Leichtathletik: Florian Neuschwander holt bei Ultratrail-WM die Silbermedaille

Der Leichtathletik-Verband Rheinland (LVR) hat einen Vize-Weltmeister. Florian Neuschwander vom Trierer Stadtlauf e.V. musste sich bei der Ultratrail-WM in Nordwales über 77 Kilometer nur dem Briten Ricky Lightfoot geschlagen geben. Mit dem deutschen Team holte der aus dem Saarland stammende Läufer, der in Trier lebt, außerdem die Bronzemedaille.

Fünf Runden zu je 15 Kilometern durch den Gwydyr Forest Park bei Conwy mussten die Teilnehmer der zum vierten Mal und jeweils im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragenen WM in der ultralangen Variante des Querfeldeinlaufs absolvieren. Florian Neuschwander ging das Rennen bewusst zurückhaltend an. 77 Kilometer waren eine Distanz, die er zuvor noch nie bewältigt hatte. Neuschwanders längste Trainingsläufe führten über 60 Kilometer. „Ich bin locker angegangen, weil ich nicht wusste, wie sich mein Körper jenseits der 60 Kilometer verhält“, erzählt der 1,67 Meter große und 57 Kilogramm schwere Läufer, dessen bisher größter Erfolg der dritte Platz bei den deutschen Marathonmeisterschaften 2011 war. Im April stellte der 32-Jährige als bester Deutscher beim Bonn-Marathon in 2:20:28 Stunden eine persönliche Bestzeit auf.

Nach dem Start zum WM-Rennen hatte Neuschwander eine sechsköpfige Spitzengruppe weglaufen gelassen. Aber nach der dritten 15-Kilometer-Runde sammelte er die Läufer peu à peu wieder ein. „Als ich den Titelverteidiger Erik Clavery überholt habe, war ich Vierter. Eine Frau, die ich überrundete, sagte mir, dass der Dritte und Zweite knapp vor mir lagen“, erzählt Neuschwander von der entscheidenden Rennphase. Während der Franzose Clavery auf den 21. Platz durchgereicht wurde, schob sich Neuschwander in der vorletzten Runde auf die zweite Position vor. Aber erst auf den letzten Kilometern kündigten sich Krämpfe an. „Da habe ich ein bisschen rausgenommen.“ Der Brite Ricky Lightfoot, sein Favorit auf den Titel, lag da sowieso schon zehn Minuten in Führung. Nach dem flachen, asphaltierten Schluss-Kilometer, den Neuschwander in nur wenig mehr als drei Minuten zurücklegte, waren es nur noch 9:13 Minuten. Der Trierer sicherte sich in 5:45:16 Stunden klar Silber.

Das Schwierige an der Strecke mit ihren rund 2500 Höhenmetern seien nicht die Anstiege, sondern der Untergrund gewesen, sagt Neuschwander, der sich vor allem im Trierer Weißhauswald und auf Abschnitten des Saar-Hunsrück-Steigs vorbereitete. „Ich bin ein paarmal gestürzt. Meine rechte Hand muss ich checken lassen. Ich hoffe, es ist nichts gebrochen“, erzählt Neuschwander. Zwischendurch habe es aber auch einige flache Abschnitte gegeben, auf der der Allrounder, der exakt ein Jahr vor der WM in 1:56,14 Minuten 800-Meter-Bestzeit gelaufen war, richtig Druck machen konnte. Auf die Bahn wird Neuschwander, der 5.000 Meter in 14:22,05 Minuten (2012) und 10.000 Meter bereits unter 30 Minuten (29:51,88 Minuten im Jahr 2009) lief, wohl nicht mehr ernsthaft zurückkehren. Dafür macht dem Angestellten in einem Trierer Laufsportgeschäft, der eine Zeitlang in London lebte und von Zeit zu Zeit in England für seinen damaligen Club startet, das Laufen im Gelände zu viel Spaß.

Im September liebäugelt er mit einem Start bei den Deutschen Meisterschaften im Ultratrailmarathon (Streckenlänge: 50 Kilometer). Die 2:20 Stunden auf den klassischen 42,195 Kilometern reizen Neuschwander aber natürlich auch weiterhin. Deshalb will er im Herbst vielleicht auch einen Angriff auf diese Schallmauer unternehmen. Dass das nicht mit dem Ultratrail-DM zusammenpassen würde? Neuschwander glaubt das nicht. Immerhin gewann er sechs Tage vor der WM den Halbmarathon beim Trierer Stadtlauf in 1:08:50 Stunden. Und nur vier Wochen nach seiner Marathon-Bestzeit im April siegte er beim Vivawest-Marathon im Ruhrgebiet im Alleingang mit mehr als einer Viertelstunde Vorsprung in 2:25:57 Stunden.

Weitere Infos gibt es bei: Michael Heinze.